Alstom - der vergiftete Apfel

Wie es aussieht, zieht sich Siemens nun also aus dem unwürdigen Bieterstreit rund um den französischen Konzern Alstom zurück. Ich kann dazu nur meinen Glückwunsch aussprechen!

Zunächst mal: natürlich kann man solche Deals ab einer gewissen Größe nicht mehr dezent einfädeln. Wenn Google die kleine Thermostatfirma Nest kauft, dann tun die das einfach. Es ist auch klar, dass man die Übernahme von bzw. die Beteiligung an Alstom nicht unter der Hand vorbereiten kann. Neben der üblichen Preistreiberei durch zwei Interessenten kamen hier noch zwei Aspekte hinzu, die aus Alstom endgültig einen vergifteten Apfel machen.

Erstens: die Französische Regierung.
Zwar ist es bei uns in Deutschland nicht so viel besser, aber Planwirtschaft und Interventionismus haben in Frankreich eine ebenso lange wie unselige Tradition. Warum um alles in der Welt muss sich jetzt der französiche Staat an Alstom beteiligen? Soll aus einer einigermaßen profitabel arbeitenden Aktiengesellschaft jetzt eine Art republikanisches Kombinat entstehen?

Zweitens: die französischen Gewerkschaften
Andere Länder - andere Sitten. Vor einiger Zeit sah ich im Auslandsjournal einen Bericht über die “Tarifpartner” in Frankreich. Man darf sich das aber nicht vorstellen wie hier in Deutschland, dass zunächst mal etwas überhöhte Forderungen gestellt werden und man sich im Fortgang nach langen Beratungen (manchmal unter Zuziehung eines honorigen Schlichters) irgendwo in der Mitte einigt. Nein! Um es mit Mozart zu sagen: “Der Franzose macht mal wieder Revolution”. Die bei uns bekannte und bewährte Tarifpartnerschaft ist so nicht bekannt in Frankreich. Es gibt Forderungen der Gewerkschaften und bei Nichterfüllung sofort Streik. Und Streik in Frankreich heisst oft: sofort Randale, sofort brennende Mülltonnen und Barrikaden.

Will man das? Will man eine große Firma haben, die sich solch einem politischen und arbeitsrechtlichen Umfeld bewegt? Nein, das will man nicht.

Und darum: herzlichen Glückwunsch, Siemens AG! Jetzt: Haken dran und auf zu frischen Taten!

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