Krieg der Begriffe

Es gibt Worte und Begriffen, die sind im Laufe der Zeit durch die politische Diskussion völlig sinnentlehrt und entstellt worden. Sie sind nur noch Worthülsen in ideologischen Auseinandersetzungen. Zudem sind die Begriffe selbst oft so gestaltet, dass sie in sich schon irreführend und tendenziös sind.

Das vielleicht beste Beispiel ist die soziale Gerechtigkeit. Was ist sozial? Was ist gerecht? Schon über die beiden Teilbegriffe kann man trefflich streiten und ganze Stapel von Büchern lesen bzw. schreiben. Trotzdem der Begriff also eigentlich unklar ist, wird er ganz selbstverständlich in politischen Debatten gebraucht. Etwas Klarheit jedoch entsteht, wenn man sich anschaut, was die Verfechter der sozialen Gerechtigkeit eigentlich wollen und also auch mit dem Begriff wollen: sie wollen ganz einfach noch mehr Geldumverteilung von der arbeitenden zur nicht arbeitenden Bevölkerung. Auch wenn der neue Begriff etwas unhandlich ist, sollte man also statt soziale Gerechtigkeit lieber Umverteilung von der Mitte nach unten sagen. Jetzt weiß jeder, was gemeint ist und kann für sich eine (politische) Entscheidung treffen.

Ein weiteres Beispiel für ideologisierte Kampfbegriffe: Ich bin ein Kind der 80er Jahre. Mein Abi machte ich zu einer Zeit, als man von Themen wie Mathematik oder Fremdsprachen fast unberührt sein Abi mit einem Leistungskursmix von z.B. Sozialwissenschaft + Sport machen konnte. Das ohnehin fast wertlose NRW-Abi wurde dadurch zwar noch wertloser aber egal! Wer sich von Klasse 10 an also nicht mehr mit Sachen wie Physik, Chemie oder Mathematik befassen musste, der nahm es auch später mit der Genauigkeit in diesen Feldern nicht so ernst. So kam es, dass bis heute ein unsinniger, ein vollkommen durchideologisierter Begriff durch die alltäglichen Diskussionen geistert und niemand (außer mir?) regt sich darüber auf: Erneuerbare Energien!

WAS für ein Unsinn! Energie ist kein morscher Fensterrahmen. Man kann sie nicht abschleifen und neu anstreichen. Man kann sie auch nicht erzeugen. Gott kann das. Vielleicht. Wir Menschen können Energie IMMER nur umwandeln. Jeweils mit etwas Verlust dabei. Der Begriff Erneuerbare oder regenerative Energien ist also völliger Blödsinn. Ein Kampfbegriff, ein Instrument der Verdummung. Wer Erneuerbare Energien sagt, der meint in Wirklichkeit: Wetterabhängige Energieumwandlung. Zu unhandlich? Und wenn schon. Der Begriff ist exakt und wenn man ihn in Diskussionen konsequent benutzt, so führt er bei vielen Teilnehmern nach Hohn und Widerstand manchmal zu ganz neuen Erkenntnissen.

Und damit kommen wir endgültig zur Ökonomie. Den Mindestlohn haben wir also seit dieser Woche. So eine Art soziale Gerechtigkeit im Tarifdschungel. Erschaffen durch unsere von jeder Erfahrung in der freien Wirtschaft unbelasteten Arbeitsministerin Andrea Nahles. Auch dieser Begriff ist ein Kampfbegriff. Die Löhne in Deutschland wurden seit eh und je erfolgreich durch die Tarifpartner ausgehandelt. Deutschlands wirtschaftliche Lage ist der beste Beweis dafür, dass es daran eigentlich nichts zu ändern geben dürfte. Jetzt also dieses planwirtschaftliche Experiment. Wirtschaft ist komplex. Ich gehöre nicht zu denen, die jetzt bestimmte Mengen an Jobs prognostizieren, die verloren gehen werden oder die genau wissen, welche Ausweichbewegungen die Ökonomie vollführen wird, um dem neuen Gesetzesmonster zumindest ein Bischen zu entkommen. Eins ist aber klar: es gab auch Fälle, in denen vor dem Mindestlohn mehr als 8,50 € gezahlt wurden. Laut einer Diskussionsveranstaltung im DLF z.B. in bestimmten Bereichen des ostdeutschen (!) Pflegesektors. Vorbei! Für alle Neuverträge dort gilt jetzt der Mindestlohn. Egal, wie wenige solcher Beispiele es gibt, sie zeigen, dass die Bezeichnung Mindestlohn irreführend ist und ansonsten wird der Urheber dieses Tarifs verschleiert. Der Mindestlohn muss objektiv als Staatseinheitslohn bezeichnet werden, denn genau das ist er.

Ich kann nur empfehlen, diese genannten sachlich richtigen Begriffe im Alltag konsequent zu verwenden. Neben Klarheit in der Diskussion erzeugt das manchmal auch Frohsinn, wenn man die Reaktionen bestimmter Zeitgenossen darauf beobachten darf!

Kommentare

  1. Interessanter Blog !
    Bin dabei und werde ihn weiter verfolgen.
    Sehr gut festgestellt mit den Begrifflichkeiten von den Politikern, die die Köpfe der Menschen verneblen sollen.
    "Kinder der 80er". Soll das bedeuten Sie sind in der 80ern geboren und haben ihr Abi um die Jahrhundertwende gemacht oder das Abi in den 80er gemacht? Bin nämlich 1981 geeboren und nach meinem Verständnis auch ein Kind der 80er.

    Viele Grüße
    Clemens

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  2. Hallo und Danke für das Lob und die Anmerkung.
    Nun - ich muss gestehen, dass ich Jahrgang 1969 bin. "Kind der 80er" heißt, dass ich in den 80ern 'sozialisiert' wurde (Helmut Kohl, Raider, Nato Doppelbeschluss etc.).
    Viele Grüße!
    Der Wirtschaftswaise

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