Tabak vs. Lotto - welches Investment ist böser?

Des einen Leid, des andren Freud, so sagt der Volksmund. Bei Tipp24 konnte man in den letzten Tagen die Wahrheit hinter diesem Spruch allzu gut nachvollziehen. Ein Millionengewinn unter den Kunden führte zunächst zu einer Senkung der Unternehmensprognose. Diese wurde kurz darauf zurückgezogen und jetzt ermittelt die Bafin. Dumm gelaufen. Und Schadenfreude könnte bei Kritikern des Geschäftsmodells auch aufkommen - verdient man doch bei Tipp24 sein Geld mit den 'Schwächen' oder Träumen von Mitmenschen. 

Ähnlich kritisieren kann man ja auch die Tabakkonzerne, die mit der (Genuß)Sucht der Menschen ihr Geschäft betreiben. Doch so sehr man das Geschäft mit dem blauen Dunst verurteilen mag - ich persönlich finde das Geschäftsmodell "Lotto" eigentlich perfider. Warum?

Beim rauchen und dem Kommerz drumrum handelt es sich um eine simple Angelegenheit. Jemand raucht halt gerne (wie andere gerne ein Glas Wein trinken) und stillt sein Verlangen oder schlimmstenfalls seine Sucht mit dem angebotenen Produkt. Abgesehen von den schädlichen Folgen des rauchens handelt es sich also um einen 'normalen' Konsumvorgang. Ware wird gekauft und konsumiert.

Bei Lotto sieht es etwas anders aus: Lotto wird nicht konsumiert. Es wird...ja was eigentlich? Man kauft die Option auf einen Gewinn. Allerdings wirklich nur die Option. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gewinnt man nichts, mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit gewinnt man viel. Wenn man Lotto als eine krude Art von Investment betrachtet, dann kann man das regelmäßige Lotto spielen von Millionen Deutschen als gigantische Fehlallokation betrachten. Jeder möge sich einen Taschenrechner nehmen und etwas rumspielen mit wöchtenlichen Lottobeträgen, die bezahlt werden und dem, was daraus geworden wäre, wenn man das Geld vernünftig investiert hätte. Aber so sind die Menschen. Für den Traum, für die Möglichkeit eines großen Gewinns werden über Jahre hinweg kleine bis mittlere Vermögen verbrannt.

Und hier kommt das perfide: Tipp24 verdient sein Geld mit der Fehlallokation von Geld UND bietet als Aktienunternehmen in sich selber die Möglichkeit, Geld grundsätzlich besser anzulegen (völlig unabhängig davon, ob speziell diese Aktie gut oder schlecht ist).

Um es kurz zu machen: wir bleiben bei unseren Tabakaktien - da weiß man, was man hat!  

Dieser Blog-Eintrag stellt keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf einer Aktie dar. Sämtliche Prognosen und Wertungen basieren auf der persönlichen Meinung des Autors und sind keine Anlageberatung.

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