Kinderkleidertrödel als ökonomisches Statement

Heute komme ich mit einer etwas unhandlichen Überschrift daher.

Als stolze Eltern von zwei Töchtern standen und stehen meine Frau und ich natürlich auch immer wieder vor der Frage, wie und womit wir die Kinder so im Alltag ausstatten - auch was die Bekleidung angeht.

Wenn man will, oder es einem wichtig ist, dann kann man in diesem Bereich so richtig viel Geld ausgeben. Ein schickes T-Shirt einer angesagten Marke (nähere Auskünfte zu den Marken erteilt ggf. meine Frau) kann schon mal schnell 35 € und mehr kosten. Ein T-Shirt. Eins. Großeltern und Eltern von ersten Kindern schrecken da recht selten zurück.

Wer nun Kinder kennt oder selber welche hat, der weiß, dass sie bis zu einem gewissen Alter äußerst uneitel sind. Man kann kleinere Kinder auch schlecht beeindrucken mit Dingen, mit denen man Erwachsene beeindrucken kann. Ein Haufen Dreck im Garten ist spannender als der Maledivenstrand und wenn die Kinder sich überhaupt um das kümmern, was sie am Leib tragen, dann geht es eher um Farben und Motive (Prinzessin? Monster?) als um Marken und Preise.

Gut also, dass meine Frau schon immer wusste, wo es schicke UND günstige Kinderklamotten gibt: nämlich auf dem Kinderkleidertrödel*. Wer das System nicht kennt, kann sich unten schlau machen. Zugegeben: als kleine Selbständige hätten wir uns eh' nicht alle teuren Markenklamotten leisten können aber wir haben uns gesagt, dass man sich die schicken Sachen auch günstig besorgen kann. Dazu kommt, dass die gebrauchten Kleider schon so manches Mal durchgewaschen wurden und nicht mehr so stark mit Chemie belastet sind. Achtung übrigens: Männer haben auf diesen Veranstaltungen nichts zu suchen! Sie wirken äußerst deplatziert und irgendwie unglücklich.

Gut und günstig - der Kinderkleidertrödel! Bild: privat


Wenn meine Frau dann vom Beutezug heimkehrt, breitet sie die Sachen mit teils unaussprechlichen Markennamen vor mir aus und addiert mir vor, dass der Stapel zusammen z.B. 30 € gekostet hat. Und wenn ich dann frage, was das so zusammen neu gekostet hätte, kommt als Antwort: ca. 250 €. UND oft sind die Kleider so gut wie neu. Wenn sehr schicke Klamotten auf schnell wachsende Kinder treffen, dann ergeben sich halt wenige Gelegenheiten, die Sachen mal zu tragen und entsprechend gut erhalten sind sie. ICH persönlich könnte viele von den Sachen vom Kleidertrödel nicht von neuen Klamotten unterscheiden, aber ich bin ja auch nur ein Mann ;-)

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Das besondere am geschilderten Kinderkleidertrödel ist, dass die Verkäuferinnen nicht bei der Ware stehen und wie auf dem klassischen Flohmarkt direkt mit den Käufern verhandeln (und ggf. feilschen). Der Veranstalter (sehr häufig Kindergärten) nimmt die Kleider (auch Schuhe, Spielzeug, Kinderwagen etc.) an. Alle Artikel sind mit einem Etikett versehen, auf dem der Nummerncode des Verkäufers steht sowie der Preis, der dann ein Festpreis ist. Da man nicht handeln kann, sind die Verkäufer auch gezwungen, gleich 'vernünftige' Preise aufzurufen. Nun werden die Kleider (siehe Foto) von fleißigen Frauen in der Lokalität so verteilt, dass z.B. die gleichen Größen beieinander liegen wie im Kaufhaus. Man kann also als Käuferin ganz gezielt zu suchen und sieht sofort, ob ein gewünschter Artikel vorhanden ist.

Nach dem strukturellen jetzt das finanzielle: Wenn ein Verkäufer z.B. Waren für 100 € verkauft, dann zahlt der Käufer dafür an der Kasse 110 € und der Verkäufer erhält nur 90 € ausgezahlt. Die Differenz dient zur Deckung der Kosten der Ausrichter. Die Märkte dauern übrigens nur überraschend kurz. Derjenige, den meine Frau mitorganisiert, dauert nur Freitag Abend und Samstag Vormittag jeweils zwei Stunden. Am Ende wird wieder alles rückwärts getrennt nach Verkäufernummern und die Veranstalter verteilen alle Einnahmen (nach Abzug der Gebühren) an die Verkäufer, die ihre nicht verkauften Artikel abholen.

Hier in unserer Gegend finden diese Märkte im Frühling und im Herbst statt und es gibt Wochenenden, an denen man im Umkreis von 20 KM drei bis vier Märkte besuchen könnte.


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