Von Bäumen und Börsen

Als Eigenheimbesitzer haben wir sogar einen Garten. Ich mag ihn sehr - vor allem die Hecken und Bäume. Sie stehen für Beständigkeit und Wertaufbau, aber auch für Geduld und Weitsicht. Vor einigen Jahren besuchte ich sogar einen VHS-Kurs zum Thema Obstgehölzschnitt. Sehr lehrreich und interessant. In diesem Bereich kann man nämlich schnell viel falsch machen.

Zwischen dem (Aktien)Sparen und der Pflege eines Obstbaumes gibt es übrigens einige Analogien, die mir auf Anhieb einfallen:

Früh pflanzen, damit man lange ernten kann. Geduldig und ausdauernd sein
Der abgebildete Apfelbaum wurde im November 2010 angepflanzt (zu diesem Zeitpunkt war er schon mindesten 4 Baumschuljahre alt). Er hat seitdem in den Jahren 2011, 2012, 2013 und 2014 noch kein einziges Mal geblüht, geschweige denn, auch nur einen Apfel getragen. Es braucht wie beim sparen Geduld, bis die ersten nennenswerten Früchte zu ernten sind. Der Erfolg kommt nicht schnell und lässt sich nicht zwingen. Wenn der Baum aber mal angewachsen ist und immer gut gepflegt wurde, dann nimmt das Wachstum rapide zu (Zinseszins) und man hat ganz gut mit der Ernte zu tun. Man braucht also Wissen, einen Plan und Geduld, damit man das Ergebnis nicht durch Ungeduld vermasselt. Die nötigen Jahre bis zum Ertrag zeigen zudem, dass man möglichst früh beginnen sollte. Dadurch verlängert sich die Erntephase und außerdem hat man mehr Zeit, um Erfahrungen zu sammeln und kleine Fehler noch zu korrigieren.

Vor dem Schnitt - Übersicht und Klarheit fehlen noch.
Bild: privat



Einfache Regeln beachten
Beim Obstgehölzschnitt gibt es eigentlich nur einige wenige einfache Regeln, die aber in ihrem Zusammenspiel immer wieder überraschend komplex sind. Äste, die sich gegenseitig beschatten, werden ausgedünnt. Bei sich überkreuzenden Trieben muss einer weichen etc. Und auch in der Finanzwelt sind die Regeln doch letztendlich simpel: nie denken, man sei schaluer als der Markt, diversifizieren, häufige Wechsel meiden etc. 

Der Schnitt: nach einfachen Regeln entscheiden und dann entschlossen handeln.
Bild: privat



Nicht mehr wechseln
Den Baum nach einigen Jahren rausreißen und durch einen anderen ersetzen? Das geht natürlich, ist aber mit einigem Aufwand und auch Zeitverlust verbunden, so wie beim sparen. Ein Wechsel kostet Gebühren und ob das neue Modell ertragreicher als das bisherige ist, das muss sich erst noch erweisen. 

Die beschnittene Krone - bereit für weiteres Wachstum!
Bild: privat


Über den Tag hinaus denken 
Noch vor ca. einem Jahr habe ich unser Aktiendepot als eine Art Sparvertrag verstanden, den ich bis zur Rente bespare, und dann wieder abverkaufe. Mittlerweile bin ich da nicht mehr so sicher. Die Bäume habe ich eigentlich gepflanzt, um sie an meine Kinder zu vererben, samt dem Wissen um ihre Pflege und dem bis dahin schon erreichten Ertrag. Und so sehe ich es heute auch mit dem Depot. Es wird hoffentlich, wenn ich in Rente gehe zu wertvoll und vor allem zu ertragreich sein, um es sang- und klanglos zu verkaufen. Die Kinder sollen die Finanzfehler ihrer Eltern vermeiden und frühzeitig Bildung in diesem Bereich erlangen - und sei es 'nur' durch die Eltern, wenn es sonst im Bildungssystem niemand schafft. 

Analogien soll man nie zu weit treiben, aber diese Punkte fielen mir spontan ein, als ich in diesen Tagen an meinen Bäumen schnippelte.

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