Griechenland: Markt schlägt Ideologien

Manchmal hasse ich es, Recht zu behalten. In meinem ersten Blogeintrag hier im Juni 2014 bezweifelte ich stark, dass die Zinssenkungen der EZB oder weitere wie auch immer geartete Maßnahmen Griechenland auf Dauer retten könnten.


Bild: privat


Nach immer neuen Deadlines und ins Unendliche verschobenen Fristen seitens der "Institutionen" ("Troika" durfte man von Tsipras Gnaden nicht mehr sagen) regelt jetzt der Markt, was die Politiker als Ideologen nicht regeln wollten.

Natürlich kann man jetzt schnell und bequem die Schuld bei Tsipras, Varoufakis und ihrer sozialistischen Regierung abladen und entlasten sollte man diese Hasardeure auf keinen Fall. Dazu kommt, dass das angekündigte Referendum der letzte Fehler in ihrer Verantwortung sein dürfte. Stimmt das Volk mit "Nein", kommt der Grexit und mit ihm Chaos und Elend. Stimmt das Volk mit "Ja", kommt der Grexit trotzdem UND die Regierung müsste eigentlich sofort Neuwahlen einleiten, weil sie deutlicher am eigenen Volk nicht scheitern könnte.

Wichtig ist jedoch jetzt, die eigentlichen Verantwortlichen zu benennen und sie sich nicht verstecken zu lassen. Sie tragen viele Namen und heißen Merkel, Juncker, Schäuble, Steinmeier, Schulz, Gabriel, usw. 

Sie waren es, die die "Euro-Rettung" immer weiter getrieben haben. Merkel war es, die den gefährlichen Spruch "Scheitert der Euro, scheitert Europa" gebracht hat. Ein ideologischer Unsinn sondergleichen, der zudem Länder wie Großbritannien beleidigt.

Der Markt ist gnadenlos effektiv und auf die griechische Wirtschaft kommen jetzt schwere Zeiten zu. Mit den Kapitalverkehrskontrollen und dem Schließen der Banken werden die Preise für alle wichtigen alltäglichen Produkte explodieren. Hamsterkäufe, Schwarzmarkt und vielleicht Tumulte sind die Folgen. Wenn der Staat Gehälter in Schuldscheinen auszahlt und vielleicht sogar die Drachme wieder einführt, wird das auf der Straße dazu führen, dass der Euro zur "Valuta-Währung" wird. Wie in der DDR werden die Leute keinen Pfifferling auf die Drachme geben und im Alltag, am Gemüsestand oder beim Arzt wird weiter nur der Euro zählen.

Dann kommen die humanitären Hilfen von der EU und so wird Griechenland zu dem, was es eigentlich immer war: ein Schwellenland am Rande Europas.

Schuld haben die Politiker. Sie waren zu dumm oder zu Feige, die Wahrheit zu erkennen und zu benennen. Die wenigen echten Mahner wurden in die (rechte) Ecke gedrängt, degradiert und isoliert.

Die einfachen Griechen tun mir leid. Die Euro-Party ist vorbei und jetzt folgt ein jahrelanger Kater.

P.S.
Der grausame, stoische, effektive Markt wird sich jetzt an die nächsten "Kandidaten" machen. Auch Frankreich, Italien, Portugal und Spanien können nicht im Euro verbleiben. Aber diesmal irre ich mich ja vielleicht!


Kommentare

  1. Schon den neusten Knüller gelesen? (Okay, ist schon zwei Tage alt, aber hab's erst jetzt mitbekommen.)
    http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-06/griechenland-eu-grexit-referendum-krise-live

    [ironie an] Da kann man nur aufstehen, in die Hände klatschen und sagen: Wow, klasse gemacht. [/ironie aus]

    Ich brauch jetzt erstmal ein Kätzchen-Video.
    Liebe Grüße
    pfennigfüchsin

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen