Business-Klodeckel der Woche #1 - Familie Rockefeller wird moralisch

Der erste Business-Klodeckel der Woche geht heute an die Familie Rockefeller, die verkündete, sich jetzt auch mit ihrem Family Fund aus der Beteiligung am Ölkonzern Exxon zurückzuziehen.

Nun gibt es sicher viele Gründe, bei Öl-Investments aktuell vorsichtig zu sein. Der Weltkonjunkturmotor läuft allenfalls mittelmäßig und gleichzeitig unterbieten sich neue und alte Öl-Anbieter mit den Preisen. Aber das ist es  nicht, was die Rockefellers umtreibt.

Nein - es ist die Moral! 

"Es macht keinen Sinn - weder finanziell noch ethisch - weiter in diese Unternehmen zu investieren, während die globale Gemeinschaft die Abkehr von fossilen Brennstoffen vorantreibt."  

Tut die "globale Gemeinschaft" das? Nach meinen Beobachtungen streben insgesamt eine gute Milliarde Chinesen und Inder zunächst mal ihre Beteiligung am ganz normalen westlichen Benzin-Way-Of-Living an und scheren sich im Gegensatz zu Familie Rockefeller oder deutschen Studienräten nicht im geringsten darum, ob ihr fahrbarer Untersatz klimaneutral hergestellt wurde und so unterwegs ist.

Auch habe lt. Familie Rockefeller der Exxon-Konzern zu wenig auf die Risiken des (menschengemachten) Klimawandels hingewiesen und so schließt man:


"Es ist überfällig, dass alle Menschen ihre Kräfte bündeln und diesen neuen Weg bestreiten, der den Zusammenhang zwischen der Zukunft der Menschheit und der Gesundheit unseres Ökosystems anerkennt."

Wenn jemand so dick aufträgt, dann fällt mir eigentlich immer nur Carl Schmitt ein, der 1932 den noch heute so gültigen Satz prägte:

"Wer Menschheit sagt, will betrügen."

Es kostet die Familie Rockefeller absolut nichts, sich wie oben zitiert zu äußern. Mir wäre zumindest nicht bekannt, dass sie im Zuge ihrer Kehrwende auch die in Jahrzehnten eingestrichenen Gewinne und Dividenden aus den bösen Ölinvestments auch nur teilweise zurückgäben und somit haben wir es hier mit einem ebenso hohlen Gerede zu tun wie bei Mark Zuckerbergs Versprechen, er werde quasi sein ganzes Vermögen spenden. Bis auf ein paar Dutzend Millionen halt. 

Frei nach Brecht könnte man jetzt schließen:
"Wer schon SO viel gefressen hat, der kann auch noch die Moral für sich vereinnahmen."

Kommentare

  1. Business-Klodeckel gefällt mir. Ist das von euch?

    Erst Milliarden verdienen und dann scheinheilig sich aus dem Investment zurückziehen, am Besten in Gentechnik investieren und den Grünkohl patentieren lassen.

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  2. Es gibt einen politischen Klodeckel des Tages unter

    http://peymani.de/

    Ich hatte schon länger die Idee, sowas für Wirtschaftsthemen zu machen. Schließlich wird auch in diesem Bereich viel Unsinn erzählt und gemacht. Ich kann allerdings nicht garantieren, dass ich das wöchentlich schaffe!

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