Buchbesprechung - Heike Buchter: BlackRock - Eine heimliche Weltmacht greift nach unserem Geld

Ich lese regelmäßig ca. 50 Aktienblogs und folge diversen Wirtschafts-Tickern, was mein Informationsbedürfnis ganz gut befriedigt. Manchmal darf es dann aber zusätzlich noch ein Buch sein, vor allem, wenn mich ein Thema nicht nur interessiert, sondern auch fasziniert.

Heute also möchte ich das Buch  BlackRock - Eine heimliche Weltmacht greift nach unserem Geld von Heike Buchter, einer deutschen Autorin, vorstellen. Erschienen ist es zwar bereits im Sommer 2015 aber ich finde, dass der Titel auch heute noch aktuell genug ist, auch wenn die Wirtschaftswelt sich immer sehr schnell entwickelt.

Nach einer kurzen Einleitung, in der die Autorin aufführt, in wie viele Lebensbereiche Blackrock schon heute "hineinregiert", schildert sie detailliert die Entstehungsgeschichte von Blackrock. Die - ja was ist die Firma eigentlich heute? Bank, Investmentgesellschaft, Beratungs-Thinktank? - Firma entstand schon 1988 als Abspaltung der Blackstone Group und ist dann immer weiter gewachsen. Sehr schön herausgearbeitet wird die Bedeutung des Firmengründers Larry Fink, dessen Weg - angefangen bei der fast schon proletarischen Herkunft - ganz und gar nicht geradlinig an die Spitze der Finanzwelt verlaufen ist.

Danach schildert die Autorin die zunehmende Vernetzung und Durchdringung, die Blackrock in der Wirtschaft und auch in der Politik erreichen konnte. Sehr interessant und für mich neu war die Tatsache, dass Blackrock seinen eigentlichen Schub während der Finanzkrise 2007 / 2008 erhielt, als die Firma aufgrund ihrer Analyse-Tools z.B. für Pakete aus Hypotheken sehr gefragt war. Andererseits war Blackrock schon so groß, dass sich spätestens ab diesem Zeitpunkt auch ständige Interessenkonflikte ergaben. Man analysierte für Staaten und Institutionen Produkte, die man hinterher selber kaufte und / oder vertrieb. Es ließ sich einfach nicht mehr trennen und so wurde Blackrock zu einem der großen Profiteure der Krise. Auch Blackrocks Beteiligung beim Ausbooten der Troika in Griechenland wird spannend geschildert.

Überhaupt: immer wieder fühlte ich mich bei der Lektüre motiviert, innezuhalten und einige der Namen und Firmen, die genannt werden, zu recherchieren. Buchter zeigt auf, wie die Seilschaften in der Hochfinanz funktionieren. Genüßlich werden hier und da Episoden aus dem Wallstreet-Klatsch zum besten gegeben und Marotten der Protagonisten beschrieben.

Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass die Autorin etwas zwischen Bewunderung und Anklage schwankt. Hier leitet sich auch ein Kritikpunkt ab: ist es in einem gut lesbaren Sachbuch nötig, Mitarbeiter von Blackrock z.B. als "Zahlenklempner" zu bezeichnen? Mir persönlich ist das zu schnoddrig und macht die Kritik nicht besser.

Ansonsten liest sich Heike Buchters Buch flüssig und spannend und man wünscht sich, es gäbe noch mehr deutschsprachige Titel in diesem Bereich, die so fundiert und unterhaltsam sind.

Mich persönlich hat die Story von Blackrock übrigens mehr beeindruckt als geschockt. Wenn es mal crasht, werde ich gerne dort einsteigen und wenn es nur ist, um beim übernächsten Crash mit zu profitieren!

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