Blogparade von FYOUMONEY: "Mein Weg in die finanzielle Freiheit"

Es ist Blogparaden-Zeit! Pascal von FYOUMONEY hat dazu aufgerufen, über den eigenen Weg zur finanziellen Freiheit und das ganze Drumherum zu bloggen. Weil es seine Blogparade ist, werde ich mich auch grob an seine vorgegebenen Unter-Themen halten...

Startschuß / Motivation

Wer hier regelmäßig mitliest, hat sicher schon hier und da mitbekommen, dass meine Frau und ich selbständig sind. Als Selbständiger muss man ständig (finanzielle) Entscheidungen treffen. So kam es, dass wir 2013 / 2014 eine größere Investition im Geschäft planten. Hierbei tauchte die Frage auf, ob wir für die Investition einen Kredit aufnehmen oder versuchen sollten, das Geld selber aufzubringen. Im Business-Bereich sind Investitionskredite ja nichts ehrenrühriges, aber ein Kredit ist halt auch immer eine Schuld, eine Verbindlichkeit. Die Alternative war, unsere schon seit einigen Jahren besparten Lebens- und Rentenversicherungen zu verkaufen, bei denen wir ein zunehmend ungutes Gefühl hatten. Nicht etwa, weil die anbietende Firma unseriös war, sondern weil uns die völlig unverständlichen jährlichen Wasserstandsmeldungen (Garantiezins, Kapitalstock, Mindestausschüttung) immer seltsam und irdendwie unheilverkündend vorkamen. 

Also machte ich mich daran, zum Thema "Lebensversicherung verkaufen" zu recherchieren und interessanterweise war genau das unser Startpunkt. Denn: ich kenne zwar nicht mehr den genauen Suchverlauf bei Google von damals aber ziemlich schnell stieß ich auf Seiten / Blogs zum Thema "Aktiensparen" & Co. Ich weiß noch, dass einer der ersten Blogs, die ich abonnierte, der Goldene Adler (mittlerweile ziemlich ruhig dort) war, kurz darauf folgte der Couponschneider. Eine neue Welt tat sich für mich auf. Heute zählt mein RSS-Reader gut 40 Finanzblogs, die ich regelmäßig lese.

Zwar hatten wir auch zu diesem Zeitpunkt ein paar wenige Aktien. Das "Depot" war aber winzig und ohne jeden Plan zustandegekommen. Für uns stand jedenfalls fest, dass wir den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge ab sofort nicht mehr in fremde Hände legen wollten. Die Vorteile gegenüber den großen Versicherungsprodukten sehe ich in folgenden Punkten: 


  • 100%ige Transparenz: Ein Blick ins Depot (oder meine riesige Excel-Tabelle) sagt mir auf den Cent genau, was uns ggf. zur Verfügung steht. 
  • 100%ige Kostenkontrolle. Es gibt eine Provision beim Aktienkauf (bei uns 9,90€ pro Order von Consors). Die ist einmalig fällig und es gibt keine mir bisher bekannten folgenden oder laufenden Kosten darüber hinaus. In fast 20 Jahren Selbständigkeit habe ich übrigens gelernt, vor laufenden Kosten (und seien sie noch so gering) viel mehr Respekt zu haben, als vor Einmalkosten. Das ist der Grund, weshalb ETFs für uns nicht in Frage kommen.
  • 100%ige Liquidität (wenn es denn sein müsste). Das Aktiendepot ist unser Geld. Wenn es sein müsste, könnten wir innerhalb von 24h so viele Aktien in Bargeld verwandeln, wie wir für richtig halten. Keine Anträge, keine Wartezeiten. Ein Blick auf das Depot zeigt mir übrigens, dass ich es auch mit ca. 1/3 seines Wertes 'beleihen' könnte, was mir etwas unheimlich ist. D.h. ich könnte gegen Sollzinsen, einfach Geld herausziehen, ohne Aktien zu verkaufen. Wer's braucht!

Was sind die eigenen Ziele?

Noch mal 19 sein und das Wissen von heute haben! Irgendjemand hat mal sinngemäß gesagt, dass immer diejenigen jung sind, die es nicht verdienen. Zumindest würde ich meinem 19jährigen Ich gerne ein paar Tipps gegeben haben...

Es ist wie es ist und eine Sache ist klar: wir gehören nicht zu den Kandidaten, die ihren Depotaufbau noch so hinkriegen können, dass sie deutlich vor dem Rentenalter mit dem arbeiten aufhören können. Da ich nicht wehleidig bin und gerne arbeite, macht mir das nichts aus. Wir haben etwas zu spät angefangen, standen dafür aber finanziell so da, dass wir etwa mehr Gas geben können als z.B. Berufsanfänger. Dafür haben wir Kinder. 

Exkurs für die vielen Finanzblogger, die das nicht kennen: Kinder sind eigene Nachkommen, die aus der Verbindung von Frau und Mann entstehen. Sie kosten viel Geld, bereiten aber auch viel Freude!

Meine Excel-Tabelle habe ich schon vor einiger Zeit von "Vermögen" in "Familiendepot" umbenannt und hier seht ihr auch schon die Philosophie bzw. das Ziel. Das Depot soll kein Topf mit Geld drin sein, den wir jetzt auffüllen und ab dem Rentenalter wieder leeren. 

Wir betrachten das Depot als eine der Familie gehörende aus Geld bestehende Maschine, die wiederum den Zweck hat, Geld zu produzieren. 

Wie es später weitergeht, werden wir sehen. Es stellen sich Fragen:

  • Soll das Depot später mit den dann berufstätigen Kindern gemeinsam weiter bespart werden (höhere Investitionen senken die anteiligen Einmalkosten weiter)?
  • Wie erfolgt die Abgrenzung von wegen wem gehört was?
  • Was ist mit Entnahmen, Erbe usw.?

Wie gesagt: das sind Probleme von morgen. Ab einer gewissen Depotgröße wäre es vielleicht interessant, über eine Vermögens-GmbH oder sogar eine Stiftung nachzudenken, was die Erb-Geschichten beenden würde... 

Unser Depot soll einfach immer weiter wachsen. Inwieweit es uns später mal die Arbeit ersparen kann? Wir können es heute nicht wissen. Zum Depot kommt übrigens noch eine eigene Immobilie (Zweifamilienhaus), die in überschaubarer Zeit abbezahlt sein wird. Es wird also in ferner Zukunft mal eine Mischform von Dividendenverzehr und Mieteinnahmen geben. Das Immobilienthema hänge ich nicht so hoch. Ja - auch ich habe meinen Alex Fischer gelesen und gehört. Ich mag ihn sogar, obwohl ich ihn gar nicht kenne. Eine eigene Immobilie über das eigene 2FH hinaus haben wir aber hintenan gestellt. Da hoffe ich, mit unseren REITs gleichen Ertrag bei viel weniger Arbeit und Risiko zu haben.



Die Zukunft: finanziell frei und rosig! (?)  Bild: privat


Vermögensaufbau im Alltag

Konkret besteht unser Vermögensaufbau aus sehr langweiligem monatlichen Aktiensparen. Es gibt einen Mindestbetrag, den wir aufbringen. Dieser Betrag wird dann um die seit dem letzten Aktienkauf eingegangenen Dividenden erhöht, die sich auf dem Girokonto von Consors angesammelt haben (immer ganz am Ende des jeweiligen Blog-Eintrags zu sehen!). Zusammen nutzen wir dadurch den Zinseszins-Effekt. Die bisherig Re-Investitionsquote beträgt 100%, es wurden also noch nie Dividenden entnommen. Hinzu kommen gelegentliche Extra-Käufe wie zuletzt Omega Healthcare aufgrund der ausgezahlten Versicherung.

Das ist alles! Es gibt nur ein Depot. Differenzieren und analysieren kann ich in der parallel geführten Excel-Tabelle.

Wir leben auf dem Land, haben zwei Kinder und kommen nicht drum herum, zwei PKW zu unterhalten. Damit fallen bereits viele super-power-frugalistische Sparmöglichkeiten weg. Trotzdem leben wir grundsätzlich sparsam. Vorteil am selbständig sein: man verpulvert nie sein Geld bei ständigen überflüssigen Urlaubsreisen. Es fehlt einfach die Zeit.  Unsere New York-Reise 2015 war seinerzeit die erste echte Urlaubsreise nach gut 18 Jahren. 


Welche Freiheiten gibt es schon jetzt? 


Unser bisher aufgebautes Depot (plus Immobilie) bietet uns vor allem eine gewisse Gelassenheit. Im Gegensatz zu Lebensversicherungsbesitzern wissen wir relativ genau, was wir haben. Für mich persönlich kommt der Genuss dazu, eingegangene Dividendenzahlungen in die Excel-Tabelle einzuarbeiten. Meine Frau kann solchen Tätigkeiten seltsamerweise gar nichts abgewinnen...

Zuletzt der größte jetzige 'Nutzen': die Weitergabe des Wissens an die Kinder. Immer freitags bringt der Papa die Kurse der Kinder-Aktien mit nach Hause. Dann werden Buntstift und Lineal gezückt und der Chart weitergemalt. Die Wochenverliererin wird natürlich von der Kursgewinnlerin angemessen verhöhnt.

Meinem 19jährigen Ich kann ich keine Tipps mehr geben aber meinen viel jüngeren Töchtern schon - und das ist doch was!

Kommentare

  1. Sehr schön geschrieben.
    Eine Anmerkungen nur.
    Das mit der Stiftung ist nicht so einfach, da eine Familienstiftung rechtlich alle 30 Jahre (oder waren es 20 Jahre?) "stirbt". Die Folge ist, die Stiftung zahlt dann Erbschaftssteuer. Ein gewisser Prozentsatz der Einnahmen muss gemeinnützigen Zwecken gespendet werden und die Auszahlungen an die Begünstigten zählt zu deren Einkommen und ist ebenfalls zu versteuern. Der Vorteil ist, auf die Erträge innerhalb der Stiftung fallen keine Steuern an. Im Prinzip wäre meiner Meinung nach eine kleine AG mit die beste Lösung. Die Aktien können innerhalb der Familie aufgeteilt werden und bei den Dividenden fallen nur die bekannten Steuern an. Ich vermute aber, dass sich das Ganze erst ab einer größeren Summe lohnt, denn die AG verursacht gewisse Fixkosten. Ob ab 1 Mio oder mehr, da habe ich absolut keine Vorstellung.

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  2. Vielen Dank für diese Erläuterungen! Ich warte einfach ab - die rechtlichen und steuerlichen Gegebenheiten können sich ja auch immer mal ändern.

    Ich will halt auch verhindern, dass sich irgenwelche buckligen, nichtsnutzigen Schwiegersöhne unser Geld unter den Nagel reißen ;-)

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  3. Servus Waise,
    toller Einblick in eure Vorgehensweise. :-)

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  4. Guten Morgen :) wirtschaftswaise,

    schöner Artikel und eine sehr interessante Ansichtsweise im Bezug auf das Depot. Das ihr euch nicht noch zusätzlich auf den weiteren Erwerb vom klassischen "Betongeld" stürzt, finde ich sehr vernünftig. Man muss nicht alles machen lieber eine sache richtig anstatt alles haben zu wollen.

    Da ihr dieses Thema über REITs abbildet sollte das meiner Meinung nach genügen.
    Ich finde es gut das ihr eure Kinder mit einbezieht, wenn unsere kleine in das Alter kommt haben wir uns das auch vorgenommen.
    Das ist heutzutage leider viel zu selten geworden!

    Beste grüße
    Danny ;)

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  5. Das ist an sich ein sehr interessanter Ansatz. Doch ich muss sagen, dass bei mir deutlich mehr Probleme und Steine im Weg lagen...als hier beschrieben....trotzdem alles gute.

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  6. Moin!
    Herzlichen Dank für deinen Beitrag.
    Die statistische Auswertung der Blogparade ist nun online :)
    https://www.freakyfinance.net/2017/04/19/aufbereitung-der-blogparade-von-fyoumoney/

    Beste Grüße und blieb freaky
    Vincent

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  7. Danke für Deine Wegbeschreibung. Guter Weg! Was ich besonders toll fand, sind die Berichte zu den Kinderaktien. Es ist so wichtig, dass Kinder frühzeitig verstehen, wie investieren funktioniert. Und es ist so schade, dass dies an Schulen und in Familien so wenig vermittelt wird.
    Viele Grüße Gisela

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