Neue Bewertung der Depot-Performance und Empfehlung des Aktienfinders

"Von Null auf Hundert in 7,5 Sekunden - Stich!"

"300 PS - Stich!"

So klang es wenn wir damals "Auto-Quartett" spielten - die reiferen erinnern sich. Dieses Auto  war das schnellste, ein anderes das stärkste und ein drittes dann eben das größte. Welches aber war das beste? Es gab und gibt kein objektives Kriterium.

Beim anlegen der eigenen Übersichtstabelle für unser Depot habe ich 2014 gar nicht groß nachgedacht und die Kursentwicklung, bezogen auf den jeweiligen Kaufzeitpunkt, als Maßstab genommen. Die Aktie mit der höchsten Kursentwicklung war die 'beste'.  Das Depot besteht bekanntlich sowohl aus Unternehmen, die Dividenden zahlen, als auch aus z.T. klassischen Nicht-Zahlern wie Berkshire Hathaway.

Nach der neuen Systematik befinden sich unter den Top 5 Werten schon drei Nicht-Dividenden-Zahler (Alphabet, Harsco und Netflix) und unter den Top 10 fünf Nicht-Zahler (zu den genannten kommen amazon und Tesla hinzu).

Nun ein etwas detaillierterer Blick auf ein paar Werte im Licht der verschiedenen Bewertungen (siehe Grafik). Schon auf Platz 5 erscheint die Allianz (1) mit seit März 2014 "nur" 46,8 % reiner Kurs-Performance. Jedoch haben sich seit unserem Kauf bezogen auf den Einstandpreis (inkl. Kosten) schon 26,9 % Dividenden ergeben. Das ergibt eine Gesamtperformance von 73,8 % (hier und da gibt es bei den Kommastellen Rundungsfehler). Und damit ist die Allianz sogar 'besser' als amazon (2) mit bisher 'nur' 71,8 % Kurssteigerung, die jedoch in der kurzen Zeit seit Juli 2017 erzielt wurden.

Noch krasser sieht es bei Glaxo SmithKline(3) aus. Seit Dezember 2014 hat die Aktie insgesamt 0,9 % beim Kurs eingebüßt, es wurden aber 20,5 % Dividenden insgesamt ausgeschüttet und damit spielt die Aktie in unserem Depot dann gleich in einer anderen Liga.



Spätestens ab hier muss man genau hinschauen. Die Dividende wird ja im Rahmen der Auszahlung an die Aktionäre zeitgleich vom Kurs abgezogen, das ist der sog. "Dividendenabschlag". Wenn eine Aktie bei 50 € notiert und 2 € Dividenden pro Aktie gezahlt werden, notiert die Aktie an diesem Tag mit 48 € und das ist auch richtig so, denn die Dividende wird ja aus der Substanz des Unternehmens bezahlt und kommt nicht aus dem blauen Nichts!

In einem etwas anderen Zusammenhang gab es dazu kürzlich einen interessanten Artikel bei Großmutters Sparstrumpf. Hier bitte auch besonders die Kommentare lesen. Dass Dividenden ein Abschlag, eine Minderung des Aktienkurses sind, ist indes vielen Anlegern nicht wirklich klar und wenn man es genau betrachtet, dann ist die entgegengenommene Dividendenzahlung quasi gleichwertig mit dem Verkauf eines Teils des Depots. 

Auch die Strategien "für später", wenn man vielleicht zu einem Teil oder ganz vom Aktiendepot leben möchte, sollten genau betrachtet werden. Der eine will dann regelmäßig einen Teil der Aktien verkaufen, wobei Transaktionskosten und Steuern auf den realisierten Gewinn fällig werden, der andere will nur auflaufende Dividenden entnehmen, die aber natürlich auch versteuert werden müssen und die in den Jahren davor die Performance der Aktie geschmälert haben. Hierzu sei euch ein etwas älterer Artikel vom Frugalisten empfohlen: Die Dividendenstrategie - der große Selbstbetrug mit mittlerweile weit über 120 Kommentaren!

Um also beiden Aspekten gerecht zu werden, habe ich zusätzlich zur bisherigen Betrachtung einzig nach Kursentwicklung die Gesamtperformance, also Kursentwicklung + YoC jeweils seit dem Kaufzeitpunkt als neuen Maßstab im Depot eingeführt und sortiere die Liste grundsätzlich nach dieser Spalte. Da wir noch nie Dividenden entnommen, sondern alles reinvestiert haben, sind die Angaben auch komplett unverfälscht.

Auf dem Screenshot seht ihr jetzt, dass die bisherige Spalte "Entw. in %" mit ihren Farbcodes ziemlich auseinandergerissen wird und das liegt einfach daran, dass so manche Gurke bei der Entwicklung des Kurses im Laufe der Jahre ganz ordentliche Dividenden erbracht hat (siehe oben).

Empfehlung Aktienfinder

Damit wir und ihr in Zukunft weniger oder gar keine Gurken mehr kauft, möchte ich heute auf den Aktienfinder für Wachstumswerte von Torsten Tiedt hinweisen. Auf dieser einzigartigen Seite mit der sehr innovativen Visualisierung der Daten könnt ihr sehr schnell und sehr fundiert Aktien vergleichen und nebeneinander bewerten (screenen). Das besondere: Torsten hat bei seiner Anaylse die bisherigen 'klassischen' Kennzahlen zwar grundsätzlich übernommen, sie jedoch oft dynamisiert. Das heißt: es wird z.B. nicht nur der Gewinn oder die Ausschüttungsquote punktuell betrachtet, sondern es geht immer um die zeitliche Entwicklung dieser Kennzahlen. 

In vielen Videos kann man sich die Benutzung aneignen und man staunt immer wieder, wie schnell (oft in weniger als einer Minute) man die gesuchten Ergebnisse finden kann. Zu Beginn könnt ich euch ja ein Einführungsvideo anschauen!

Depotgeflüster

SEADRILL
DIE Gurke in unserem Depot und jetzt ist es bald vorbei. Dieser "High-Yield"-Wert hat für uns nie auch nur einen Cent Dividende gebracht. Trotzdem war mir der kleine, tapfere Offshore-Driller immer sympathisch und letztendlich verlässt er unser Depot quasi unfreiwillig.
Denn: nach dem erfolgreich durchlaufenen Insolvenzverfahren geht es jetzt munter weiter. Allerdings wurden dafür neue Aktien ausgereicht. Unsere alten Aktien werden demnächst annuliert und aus dem Depot ausgebucht. Wenn ich aktuell versuche, zu verkaufen, meldet Consors, dass kein Kurs festgestellt werden konnte. 
Ich verbuche es als Jugendsünde - wir waren jung und wollten nur die Dividende!!!

EON
Mittlerweile gab es Neuigkeiten von RWE / Innogy und E.ON! Nach den jetzt geplanten Umstrukturierungen und Neuverteilungen von Geschäftsfeldern, wird E.ON quasi Besitzer eines Großteils des deutschen Stromnetzes. Nach den verheerenden Folgen der Energiepreiswende gelangt E.ON damit jetzt endlich in ruhigeres Fahrwasser und kann mit dem Netzbetrieb sicher und konstant Geld verdienen
E.ON war einer unserer ganz frühen Käufe und ich gebe zu, dass meine Analyse damals nicht viel weiter ging als "ist im DAX und zahlt auf dem Papier eine hohe Dividende". Mit diesen Gedanken tappte ich ich die klassische Value Trap aber jetzt gibt es ja vielleicht ein Happy End... 

Dieser Blog-Eintrag stellt keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf einer Aktie dar. Sämtliche Prognosen und Wertungen basieren auf der persönlichen Meinung des Autors und sind keine Anlageberatung.

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