Neu im Depot - Aktie Nr. 57: Paypal

In diesen Wochen war es wieder so weit. Im ganzen Land traten die neuen Azubis ihre Lehrstellen an. Bei größeren Firmen berichtet hier auch schon mal die Lokalpresse. Und so erschienen also auch wieder die Berichte mit Foto (oder die Fotos mit Bericht) über die neuen Azubis bei den örtlichen Sparkassen und Volksbanken.

Mal forsch, mal ängstlich lächelten die Jungen und Mädchen - adrett gekleidet - in die Kameras. Flankiert von Filialleitern und Ausbildungskoordinatoren. 

Und wie immer in den letzten Jahren will ich ihnen zurufen:

"Lauft, so schnell ihr könnt!"

Denn: ich bin der festen Überzeugung, dass diese jungen Menschen auf's falsche Pferd setzen. Jede/r kann im eigenen Umfeld den Niedergang der Branche sehen und erleben. Filialen mit gut besuchten Automaten und gähnend leeren Schaltern. Zweigstellen, die geschlossen und bestenfalls durch einen Automaten-Container oder den wöchentlich vorfahrenden Bank-Bus ersetzt werden. 

Dazu kommen die immer mehr zunehmenden Bestrebungen der Geldinstitute, die erodierende Ertragslage anderweitig aufzufangen. Das 'echte' kostenlose Girokonto ist ja quasi schon ausgestorben und jetzt steigen langsam die Kontoführungs- und sonstigen Gebühren immer mehr an. 

Man muss gar nicht Bill Gates' berühmtes Zitat

Banking is necessary. Banks are not.

bemühen, um zu erkennen, dass es heute in vielen Bereichen auch ohne Banken geht.

Paypal ist dafür ein sehr schönes Beispiel. Obwohl Paypal keine Bank ist, erledigt die Firma Überweisungen für fast 200 Millionen Kunden. Und obwohl Überweisungen getätigt werden, haben diese Kunden bei Paypal keine Kontonummern im klassischen Sinne. Das Paypal-"Konto" besteht aus einer E-Mail-Adresse  - fertig! Jedoch muss das Geld ja irgendwo herkommen, weshalb jedes Paypal-"Konto" mit einem "echten" Konto oder einer Kreditkarte unterfüttert ist. 

1998 / 1999 durch verschiedene Personen gegründet, kam der Durchbruch für Paypal spätestens 2002, als die Firma durch ebay übernommen wurde, um die Bezahlvorgänge im boomenden Onlinehandel zu vereinfachen. 2015 erfolgte dann die Trennung von ebay und Paypal wurde 'erwachsen'.

Screenshot: Aktienfinder


Wie so oft, habe ich vor dem Erwerb von Paypal den Aktienfinder von Torsten Tiedt genutzt. Die  Grafik zeigt sehr schön, dass die Aktie aktuell jeweils bezogen auf den Fair Value Wachstum und Free Cashflow leicht bis deutlich unterbewertet ist. Dafür gibt es keine Dividende, aber man kann ja nicht alles haben und bei einer Umsatzstabilität von 0,99 und einer Gewinnstabilität 0,94 (maximaler Wert jeweils: 1) von können wir sowieso nicht meckern.

Dieser Blog-Eintrag stellt keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf einer Aktie dar. Sämtliche Prognosen und Wertungen basieren auf der persönlichen Meinung des Autors und sind keine Anlageberatung.

Kommentare

  1. Ich bin ja seit dem Börsengang/Spin-off von PayPal dort Aktionär und inzwischen ist es eine meiner größten Positionen im Depot, weil ich nach wie vor von den positiven Aussichten überzeugt bin. PayPal hat sich noch viel besser und agiler entwickelt, als ich es damals erhofft hatte.

    Was Deine negative Einschätzung zu einer Bankausbildung angeht, so teile ich die überhaupt nicht. Ich gebe Dir zwar Recht, dass es künftig immer weniger Bedarf an typischen Bankangestellten geben wird und dass die kein zukunftsorientierter Beruf mehr ist, ich halte eine Bankausbildung jedoch für eine der besten Grundlagen für einen erfolgreichen Start ins Wirtschaftsleben. Ich habe ja selbst vor fast 30 Jahren meine Bankausbildung in einer Sparkasse begonnen und kann nur sagen, dass ich dort viel über Wirtschaft, Geld, Zahlungsverkehr, Kredite und Kreditabwicklung, Aktien und Geldanlage gelernt habe. Selbst in der Hauptbuchhaltung gab es viel zu lernen; u.a. wie die Bank bei der Landeszentralbank ihr eigenes Geld anlegen musste, Mindestreservesätze inklusive. Wenn heute von Negativzinsen die Rede ist für Banken bei der EZB kann ich das ganz anders einsortieren als Menschen, die die Zusammenhönge nicht kennen/gelernt haben.

    Ohne dieses ganze dort erlernte Wissen hätte ich mich wohl nicht erfolgreich selbständig machen und eine GmbH gründen können - die seit 25 Jahren besteht und deren Geschäftsführer ich noch immer bin (wenngleich sie heute einen anderen Unternehmenszweck verfolgt als bei der Gründung). Junge Menschen, die direkt von der Schule an die Uni gehen, (ver-)enden meistens als Praxisversager, die mit 30 ihren ersten Job antreten und dann auf die Lebenswirklichkeit des Berufslebens treffen. Für beide Seiten nicht schön. Auch dafür ist eine kaufmännische Ausbildung vorab schon eine gute Basis. Ich würde es jedenfalls auf jeden Fall wieder so machen...

    AntwortenLöschen
  2. Vielen Dank für den Kommentar!

    Zunächst mal gibt es natürlich zwei große Bereiche, wo Banken auch in Zukunft nötig sind, und zwar die Finanzierung von Unternehmen und von Immobilien. N26 oder Paypal finanzieren nicht mein Eigenheim...

    Als ich 1988 Abi machte, waren die Banklehrlinge neben den angehenden Studenten quasi die Elite des Jahrgangs. In den gewandelten Zeiten fürchte ich einfach, dass es aus den in meinem Artikel angerissenen Gründen keine sichere berufliche Zukunft in der Branche gibt aber das schmälert natürlich nicht die während der Ausbildung zu erlernenden Kenntisse...

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen